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Raum für Bildung in ungerechter Gesellschaft

25. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft – Kassel, 13.-16. März 2016 –

Bildung braucht Raum. Kindertageseinrichtungen, Schulen, Berufs- und Hochschulen sind ebenso wie Kinder- und Jugendhäuser, Volkshochschulen und Akademien, Kultur- und Stadtteilzentren, Familien, soziale Netzwerke, Gleichaltrigen und Freundesgruppen zentrale Orte, die Bildung, Erziehung, Hilfe und Unterstützung ermöglichen. Raum für Bildung erinnert aber auch daran, dass Bildung in der Gesellschaft sowie in den öffentlichen und politischen Diskursen ein prominenter Platz zusteht.

Raum verbindet soziale, kulturelle und physikalische Aspekte. Räume der Bildung konstituieren so eine besondere Dimension. Sie bringen Ordnung und Stabilität, Mobilität, Etikettierung, Teilhabe und Anerkennung, Inklusion und Ausschließung hervor, stellen Zugehörigkeiten und Beziehungen, soziale Positionen und Rollen sowie gesellschaftliche Praxen her und markieren damit aktuelle Fragen erziehungswissenschaftlicher Forschung. Räume der Bildung sind objekthaft, zunehmend virtuell und translokal, vermitteln aber immer auch soziale, körperliche und sinnliche Erfahrung.

Der Verweis auf Bildung in ungerechter Gesellschaft spricht soziale Ungleichheiten in modernen, komplexen und zunehmend global vernetzten Gesellschaften an. Diese und die damit verbundene Ungerechtigkeiten rahmen die Chancen, auf die materiellen, sozialen und kulturellen Ressourcen der Gesellschaft zugreifen zu können und beeinflussen zugleich heterogene Lebensformen und -stile, Bildungs-, Erziehungs- und Lebenspraxen. Formen und Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, werden auch über die Potenziale begrenzt, Räume der Bildung erfolgreich nutzen zu können. Räume der Bildung sind gestaltbar, verfestigen aber auch soziale Ungleichheiten. Geschlechtliche, soziale und kulturelle Identitäten, Selbstverständnisse und Selbstwirksamkeiten, generationale und milieuspezifische Ordnungen spiegeln und erzeugen sich auch in Räumen der Bildung.

Raum für Bildung in ungerechter Gesellschaft thematisiert unterschiedliche erziehungswissenschaftliche Herausforderungen unter Rückgriff auf theoretische und empirische Wissensbestände und rekurriert auf die Anwendung unterschiedlicher, quantitativer und qualitativ-rekonstruktiver Forschungsmethoden. Aufgerufen sind Fragen sowohl nach der Analyse vorfindbarer (Spiel-)Räume als auch nach der Gestaltung pädagogischer Räume. Ermöglicht werden sollen theoretische wie empirisch fundierte Diskussionen von Fragen einer optimalen Modulation von Kulturen der Bildung und Erziehung ebenso wie die Bedeutung sozial-räumlicher Strukturen und Bedingungen bezüglich der Gestaltung von institutionalisierten, öffentlichen Räumen der Bildung und Erziehung. Raum für Bildung in ungerechter Gesellschaft provoziert die Frage, welche (Spiel-)Räume für Bildung einen substanziellen Beitrag zu mehr gesellschaftlicher Gerechtigkeit leisten könnten und wie sie dazu gestaltet werden sollten. Das Kongressthema Räume für Bildung eröffnet Perspektiven auf das bewusste Schaffen neuer, zusätzlicher Angebote zur Herstellung von Chancen- gleichheit und zielt darauf ab, die Wirksamkeit dieser Angebote zu analysieren.

Auf dem 25. Kongress der DGfE in Kassel sollen unter dem Titel Raum für Bildung in ungerechter Gesellschaft neben den genannten Gesichtspunkten Entwicklungen in den verschiedenen Forschungs- und Theoriefeldern der Erziehungswissenschaft insbesondere unter vier Aspekten betrachtet werden:

Thematisiert werden soll die theoretische Bedeutung und Dimensionierung der Kategorie Raum für die Erziehungswissenschaft

Reflektiert werden empirische Aufklärungen über die Relevanz des Raumes für die Subjekte, für die Gestaltung von Bildung in unterschiedlichen Orten sowie über die Dimensionierung des »Raums als Erzieher«

Erörtert werden historische wie aktuelle Vermessungen gesellschaftlicher Räume von Bildung, ihrer Potenziale sowie der physikalischen, symbolischen und sozialen Möglichen und Grenzen, Bildung und Erziehung zu ermöglichen

In den Blick genommen werden die Grenzen und Entgrenzungen, Standardisierungen und Destandardisierungen der Orte von Bildung sowie Analysen der Überlappungen und Übergänge zwischen den unterschiedlichen Räumen von Bildung.